Sittiche
Wenn jetzt herauskäme, dass der Wellensittichverein in, sagen wir mal, Castrop-Rauxel jahrelang Dutzende von Tieren bestialisch gequält hätte, dann wäre die Empörung in der Öffentlichkeit groß. Und wenn der Vereinsvorstand mit sorgenumwölkter Stirn zugeben würde, von der Tierquälerei gewusst, vereinsinterne Rügen aber für ausreichend gehalten zu haben, wäre er den Job im Nu los. Die Bildzeitung würde kurzerhand fordern, die unsittlichen Sittichfreunde als kriminelle Vereinigung einzubuchten.
Die Jesuiten vom Berliner Canisius-Kolleg kommen glimpflicher davon. Über 30 Fälle von sexuellem Mißbrauch Schutzbefohlener fanden statt, aber neben kircheninternen “Untersuchungen” wurde die Einschaltung der Staatsanwaltschaft offenbar jahrzehntelang nicht für nötig befunden. Dutzende Kinder ein Leben lang traumatisiert - ein Fall für den Beichtstuhl?
Höchste Zeit, den mittelalterlichen Usus zu säkularisieren und auch die Mitwisser mit den Vorzügen modernen Strafvollzugs bekannt zu machen!
(No. 262, 8.Februar 2010)