Archive for December, 2009

Am Boden

Wednesday, December 16th, 2009

Gottlob, der “Dreamliner”, das neue Superleicht-Passagierflugzeug, ist wieder am Boden. Zuletzt hatte ein Regengebiet den um Jahre verspäteten Jungfernflug bedroht.
Ein Regengebiet?

Boeings 787 präsentiert sich regenscheu als erstes Nach-Klimakatastrophen-Flugzeug; ein bahnbrechendes Konzept. Der dramatisch reduzierte CO2-Ausstoss wurde allerdings mit gewissen Zugeständnissen an Komfort und Flugeigenschaften bezahlt. So macht der vollmundige als “Flying Cabrio” verkaufte Verzicht auf die schwere Karosserie beim kleinsten Niederschlag Probleme. Ohnehin sind die zur mechanischen Mitarbeit eingesetzten Billigflugpassagiere meist schon nach dem steilen Startmanöver an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Und das grunzende Herumlaufen des innovativen Schweinemethan-Antriebsaggregats, so Kritiker, bringe den Airliner auch ohne Turbulenzen ins Schaukeln.

Dennoch verkaufen Verkehrspolitiker den “Dreamliner” als schlagenden Beweis, dass der Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern als Impuls für innovatives Ingenieurwesen aufzufassen sei. Vor allem dürfte das ökologisch undiffamierbare Flugobjekt das Gewissen der Vielflieger beruhigen. Schon sind die ersten Airlines dazu übergegangen, die Heckflossen ihrer Flotten mit dem EU-Biosiegel zu schmücken.

(No. 258, 16. Dezember 2009)

Willy Landing

Friday, December 11th, 2009

Ehrlich mal, liebe Berlin-Brandenburger, das hat Stil!
In Zeiten, wo jeder bessere Vorort für seine Veranstaltungsstätten einen Sponsor sucht, wo der Kölner Dom längst “Kölnflockentower” heißt und die Johannes-Heesters-Revival-Band in der Haribo-Halle in Hückeswagen auftreten muss, geht man für den ehemaligen Interflug-Hafen Schönefeld einen altmodisch-sympathisch anderen Weg. Man sucht einen honorigen Elder Statesman als Namenspatron und will sich damit unverkennbar an die Flughäfen Charles de Gaulles, John F. Kennedy und Benito Mussolini anhängen, um weltläufige Grandezza zu beweisen. Klasse!

Und wen holen wir, bitte schön, aus der staatsmännischen Mottenkiste? Den Kanzler der Einheit, Herrn Kohl? Oder den altgedienten NSDAP-Mann Kiesinger?

Nein, nein, mehr Berlin geht immer: “Ladies and Gentlemen, willkommen in Berlin-Brandenburg Internäschnell, welcome at Willy Brandt Airport!” Entgegen anderslautenden Gerüchten bleibt es aber, Kettenraucher hin oder her, beim Rauchverbot auf allen Flügen.

(No. 257, 11. Dezember 2009)

Werbung wirkt

Wednesday, December 9th, 2009

Die Sauerland-Gruppe, ein deutschsprachiges Islamisten-Quartett aus dem gebirgichten Westfalen, hatte Angst vor Handy-Werbung.
Nicht weil etwaige Mobilfunk-Agitation die ohnehin schon CIA-infiltrierten Hirne noch weiter erweicht hätte.

Sondern weil die selbstgebastelten Bomben mit Handy-Fernzündern nach dem bewährten Prinzip “Bei Anruf Bumm” gezündet werden sollten. Und da hätte schon eine simple T-Mobile-Tarifwechselwerbung eine Schneise der Zerstörung in die Bombenbastelwerkstatt im beschaulichen Oberschledorn reißen können.

Soll noch einer sagen, dass bei ihm Werbefeuerwerke nicht zünden!
(No. 256, 09. Dezember 2009)

Ein Mordsfahrrad!

Wednesday, December 2nd, 2009

Der ausgebrochene Mörder Michalski ist nun auch geschnappt worden. Und eben zeigen die Medien das silberne Damenfahrrad, auf dem die Flucht misslang: pseudosportlicher Grätsch-Lenker, klobiger Gelsattel, viel zu niedrige Rahmenhöhe, überflüssige 21-Gang-Schaltung. Manche lernen eben erst durch eigene Erfahrung, wie wichtig ein richtig gutes Fahrrad ist.

(No. 255, 02. Dezember 2009)