Archive for November, 2009

Präventivmaßnahmen

Monday, November 30th, 2009

Damit die schöne Schweiz nicht bald von oben wie ein minarettbespicktes Fakirbrett aussieht, haben die Schweizer den Bau weiterer Minarette verboten. (Vier sind genug.)
Im österreichischen Burgenland, dem sichersten Bundesland von allen, patrouilliert das Heer, um der Ausplünderung durch eine Flut von Ostbanden Einhalt zu gebieten (die letztes Jahr schon beinahe jeden Monat mit raffenden Händen irgendeine Garage aufgebrochen haben.)
Schwanz ab für Kinderschänder, Tamiflu gegen Nasenjucken und Günther Jauch for President: Wir haben Mittel und Wege, um Schlimmeres zu verhüten. Koste es, was es wolle.

(No. 254, 30. November 2009)

Handicap sells

Wednesday, November 25th, 2009

Susan Boyles Erfolg ist vorprogrammiert, auch in Deutschland. Miese Figur, schreckliche Frisur, fürchterlicher Kleidungsgeschmack; die unbeholfene Plumpheit des geborenen Underdogs – und die Stimme eines Engels: Das rührt auch uns zu Tränen, jede Wette.

Während Boyles erste CD in USA und UK gleich auf Platz 1 der Hitparaden einsteigt, dürften die Mediengewaltigen längst über ihrem nächsten Coup brüten. Die Verschmelzung von körperlichen Nachteilen und populärem TV-Sondermüll ist ein echter Hype. “Handicap sells”, ist die begeisterte Erkenntnis – und fangen die Paralympics nicht sogar mit dem gleichen Buchstaben an wie “Pleiten, Pech und Pannen”?

(No. 253, 25. November 2009)

Knutsch’ den Virus!

Saturday, November 21st, 2009

Was war das für eine Vielfalt an bunten Schildern an der Kita-Eingangstür früher: “Wir haben Masern!”, “Wir haben Röteln!”, “Hier sind Kopfläuse!” - toll. Es war richtig was los, man brachte den Filius mitten rein ins Geschehen und wusste nie, wie man ihn nachmittags zurückbekam.

Heute hängt da ein trüber Zettel: “Schweinegrippe: Derzeit __ Fälle.” Die Zahl wird nicht mehr nachgetragen. Wahrscheinlich ist der Chronist selbst schon vom Virus dahingerafft worden. Das ist bedauerlich, aber viel schlimmer ist die Demütigung, die Leute wie der kleine Max jetzt erleiden müssen. Er hat sich den Fuß gebrochen beim Skateboardfahren und ist stolzgeschwellt mit dem Gips angekommen. Hat das jemanden interessiert? Nicht die Bohne. Luzie hat sich böse in den Finger geschnitten, ihr Bruder Benno hat ganz hartnäckigen Pseudo-Krupp… aber das alles interessiert momentan kein Schwein, weil alle auf die Grippe schielen. Andere Krankheiten sind nix mehr wert.

Wer die Seuche noch nicht hat, will sie unbedingt haben. Pitt und Patricia-Jakobine sind in der Kinderküche beim Knutschen erwischt worden, und statt verlegen zu werden oder zu heulen, hat Patricia-Jakobine gesagt, Pitt hätte ihr versprochen, sie mit der Schweinegrippe anzustecken und das ginge nur so. Heute früh waren tatsächlich beide krank, aber wer nun wen angesteckt hat, darüber streiten sich die stolzen Eltern noch.

(No. 252, 21. November 2009)

Was Volk? Sind wir!

Monday, November 16th, 2009

Die Polizeiführung hat freimütig eingeräumt, dass das Publikum bei den Wiedervereinigungsfeiern knüppeldick mit Polizeischülern durchsetzt war. “Stabilisator” nennt man diese verdickende Funktion (ein großes Problem bei der polizeilichen Nachwuchssuche war ja neben schlechten Sprachkenntnissen zuletzt vor allem die Fettleibigkeit der Kandidaten), nach dem offiziellen Motto “Wo ein Stabilisator steht, kann sonst keiner stehen”. Das Konzept überzeugt - und gibt den Jubelparaden irgendwie auch die ostzonale Authentizität wieder, die manchem gefehlt hatte.

(No. 251, 16. November 2009)

Schnaps und Treue

Wednesday, November 11th, 2009

Treuepunkte sammeln ist ja an sich schon spießig genug. Bei “Ulrich am Zoo” gehts diesmal um stählerne Küchenmesser, da macht man mal eine Ausnahme und reklamiert beim Bezahlen halblaut “Kriege ich nur acht, nicht zwölf Punkte? Für sechzig Euro?” Die Kassierin, eine herbe Schönheit, die alle Tiefen und Untiefen des Lebens schon gesehen hat, hebt kaum den Blick, mustert einen mit einem verächtlichen Drüberstreifen und konstatiert dann mit einer Stimme, die bis in den letzten Regalwinkel des Supermarktes zu hören ist: “Für Lebensmittel ja. Aber nich für Schnaps!”

(No. 250, 11. November 2009)