Archive for January, 2009

Kinderparadies

Friday, January 30th, 2009

“Virgin”-Milliardär Richard Branson in einem Geiselcamp, geduckt unter der Mündung eines russischen Schnellfeuergewehrs: Sensationsmeldung in den Abendnachrichten? Nicht ganz. Denn Branson ist freiwillig hier, und das Camp ist nur eine Art Kinderparadies am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Nach gut zwanzig Minuten kommt es schon über die Lautsprecher, “Der kleine Richard möchte gern im Terrorcamp abgeholt werden”, und da ist er auch schon, ganz Strahlemann im Seidenhemd, hat sich nichtmal eingepullert, der kleine Springinscamp. Drüben lockt ein simuliertes Minenfeld. Richard klatscht in die Hände. Da will er auch hin.

(No. 244, 30. Januar 2009)

Terrorcamps

Wednesday, January 14th, 2009

Ausbildung in Terrorcamps ist nach einem Kabinettsbeschluss künftig mit hohen Gefängnisstrafen belegt:
Jetzt wird die Luft in deutschen Kinderzimmern ganz schön dünn.

Ballerspiele, Butterflymesser, Brutalo-Rap – die Youngster werden gleich schulbusweise einfahren. Ich sollte meinen Anwalt anrufen und mal nachfragen, ob ich als Ausbilder straffrei ausgehe, wenn ich nachweisen kann, dass ich mit Liebesentzug zum Mitmachen erpresst wurde?
(No. 243, 14. Januar 2009)

Headbangers

Wednesday, January 14th, 2009

In Gohlkes Wohngemeinschaft werden Skihelme ausprobiert; jeder versucht, noch schnell vor den Winterferien einen zu ergattern. Gohlke errechnet eine eigene Statistik: “Die Wahrscheinlichkeit, auf der Piste von einem ostdeutschen Ministerpräsidenten niedergemangelt zu werden, ist in dieser Saison 20% geringer als sonst. So sicher war’s auf den Brettern noch nie!”
(No. 242, 8. Januar 2009)

Annie get Your gun

Tuesday, January 6th, 2009

Die Krise des Kapitalismus ist auch eine Krise des Kapitalverbrechens: Wo nix mehr zu holen ist, nagen selbst Bankräuber am Hungertuch.

Bewaffnete Überfälle auf Filialen gehen immer mehr zurück, dafür steigt die Sprengung von Geldautomaten dramatisch an: offensichtliche Frusthandlungen, die Anlass zur Sorge sind. Schon melden die ersten Knäste heftigen Insassenschwund – in Berlin-Plötzensee sind ein Drittel der Inhaftierten nur noch Schwarzfahrer.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf: Bankraub muss wieder attraktiver werden, etwa durch engagierte Nachwuchsschulung, einen Paradigmenwechsel in der Berichterstattung oder sogar ein staatliches Prämienmodell, das jeden Überfall unabhängig vom erzielten Resultat mit einem Standardbetrag honoriert.