Archive for November, 2008

Die Sätze der Anderen

Thursday, November 20th, 2008

Es gibt Dinge, die man sagt. Und Dinge, die andere gesagt haben. Wenn die anderen irgendwelche No-Names sind wie man selbst, fällt’s keinem auf, wenn man den Spruch klaut. Aber wenn es sich um Jesus, Goebbels, Obama oder die Bildzeitung handelt – also um epochale Wortschöpfungen wie “Steh auf und wandle”, “Wollt Ihr den totalen Krieg”, “Yes we can” oder “Wir sind Papst”, dann muss man schon sehr aufpassen, was da mit wem verglichen wird. “Steh auf und wandle” taugt nicht für Filzpantoffelwerbung, niemand kann allen Ernstes den totalen Preiskrieg bei Biolimonade wollen, und wir sind zwar Papst, aber nur sehr bedingt Frühkartoffeln, Dosenwein und Hämorrhoidalsalbe.
Der neueste begeistert nachgeäffte Elefant im Stall der Jahrhundertsätze ist “Yes we can”. Yes we can die Preise reduzieren, yes we can Ihren Auftrag bearbeiten, yes we can wieder nett zu den Kindern sein. Kleiner gehts nicht! Selbst der trivialste kleine Tiefparterrefriseur hält die Schere hoch und schmettert mit Inbrunst diese Hymne. Wer hat das Nachsehen? Ganz klar: Alle, die auf der dürftigen, entlassungsgeschüttelten Betriebsfeier neulich “We are the Champions, my friend” gegröhlt haben. Aber shit happens, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, und das ist auch gut so.

(No. 239, 20. November 2008)