Die Nacktsehbrille
Tuesday, October 28th, 2008Früher war hinten auf den Perry-Rhodan-Heftchen immer Werbung eines etwas unseriösen Versandhandels, die uns Elfjährige schwer beschäftigte. Neben Juckpulver und aufblasbaren Skeletten gab es da nämlich vor allem eine Röntgenbrille zu kaufen, mit der man den Menschen angeblich durch die Kleidung sehen konnte. Mann, war das aufregend! Die Vorstellung, zum Beispiel beim U-Bahn-Fahren alle nackt zu sehen…. überwältigend. Allerdings war die Röntgenbrille ziemlich teuer und mit dem dürftigen Taschengeld schlicht unbezahlbar. Und wie sollte man z.B. der attraktiven jungen Mathelehrerin erklären, warum man plötzlich eine klobige, schwarze Brille auf der Nase hatte und damit sabbernd und starr nach vorne stierte… und trotzdem Fragen zum Unterrichtsverlauf nicht beantworten konnte?
Wenn man richtige Männer auf die Nacktsehbrille ansprach, lachten die nur und sagten, das wäre Quatsch, sowas gäbe es gar nicht, reiner Betrug.
Das ist fast vierzig Jahre her, und seitdem hat die Technologie Riesenfortschritte gemacht. Der Nacktscanner, der momentan an den Flugsicherheitskontrollen eingeführt werden soll, ist der Beweis! Allerdings ist der Anschaffungspreis von 150.000 Euro noch immer sehr hoch, und so einen riesigen Scanner kann man natürlich auch nicht unauffällig mit sich herumtragen. Aber keine Bange, der iPod ist auch immer kleiner und billiger geworden. In zwei, drei Jahren ist der mobile Nacktscanner bei Fielmann als Kassengestell zu kaufen, jede Wette. Bis es so weit ist, kann man sich schon mal eine möglichst weit vom Arbeitsplatz entfernte Wohnung suchen, um künftig jeden Tag stundenlang U-Bahn zu fahren.
(No. 238, 28. Oktober 2008)