Der steinerne See
Thursday, September 18th, 2008Eindrucksvoll ist es geworden, das neue Denkmal zur Erinnerung an die 22.000 von den Nazis gequälten und ermordeten Sinti und Roma. Direkt am Reichstag ist ein unkrautüberwuchertes Stück Brachland gewachsen, die Stadt hält inne. Umgestürzte Reste von Bauschildern, textlos, zeigen die Sprachlosigkeit des Grauens. Im Bauzaun stecken leere Colaflaschen, wohl eine antiimperialistische Geste. Zwei Plastiktüten mit Müll, Babywindeln, Haushaltsabfällen, wie zufällig hinüber geworfen: Ikonografie der Gegenwart. Eine künstlerische Installation, die betroffen macht.
Oder, Moment mal, sollte das etwa noch gar nicht der Steinerne See sein, für den Dani Karavan im Februar endlich den Startschuss der Bundesregierung erhielt… sondern ganz normaler Hauptstadt-Vandalismus? Soll die beschämende Pseudo-Baustelle künftige Catering-Kosten der Einweihung niedrig halten, weil mit jedem weiteren Jahr die Zahl der einzuladenden Überlebenden kostenwirksam sinkt?
(No. 237, 18. September 2008)