Dutschkes Preußen
Friday, August 29th, 2008In einem Jahr, das mit vielen schlechten Filmen und immer gleichen Fotostrecken an das glorreiche 1968 erinnert, die Zeit der Studentenrevolte, mutet es fast schon sympathisch antizyklisch an, dass die seit vier Jahren privatisierte Wohnungsbaugesellschaft GSW ihren Haupteingang aus der frisch getauften Rudi-Dutschke-Straße in die benachbarte Charlottenstraße verlegt hat. “Wir wollten nicht unter der Adresse eines zotteligen Studentenrabauken firmieren, der unsere Gewinnmaximierung auf Kosten der Mieter bestimmt zum Kotzen gefunden hätte” – das wäre eine schmissige Begründung für den originellen Schritt gewesen.
Stattdessen murmelt eine Unternehmenssprecherin etwas Flaues von politischer Neutralität. Dabei taugt Sophie-Charlotte von Hannover, die Namensgeberin der Charlottenstraße, da nur bedingt als Symbol. Oder ist die machtversessene Monarchie des frühen Preußens mit ihrem Faible für Staatsbankrott und Intrige der neu ausgerichteten GSW ein politisches Leitbild?
Mensch Rudi, Glückwunsch, die biste los!
(No. 231, 29. August 2008)