Infanterist der Zukunft
Monday, November 26th, 2007Taxifahrer Klaus hat am Flughafen Tempelhof einen tränenreichen Abschied einiger Bundeswehrsoldaten von ihren Freundinnen beobachtet und war schwer beeindruckt, was in Deutschland schon alles wieder Alltag ist.
Dabei könnten die Tränen eventuell gar nicht dem bevorstehenden Afghanistan-Einsatz gegolten haben, sondern den ausrüstungstechnischen Strapazen, die den jungen Frontkämpfern bevorstehen. Denn das Ausstattungskonzept “Infanterist der Zukunft”, an dem die Bundeswehr seit Jahren herumbastelt, gilt unter Kameraden als ballastreicher Versuch, den Soldaten zu einem Panzer auf zwei Beinen umzubauen. Richtig sitzen kann man in dem wuchtigen Zeug nicht, laufen ist allerdings auch kein Spaß. Dafür sorgt allerhand Technikschrott auf Dinosaurier-Niveau wie der sperrige, aber festplattenkleine Mobilcomputer, das archaische Navigationssystem und ein schwachbrüstiges Funkgerät, dessen Kopfhörer ständig aus den Ohren fallen. Die Kleidung ist zu dick, die Stiefel sind zu klobig und die Schutzbrille beschlägt alle paar Meter.
Immerhin: Dass Deutschland sich mit dieser Ausrüstung im Ausland zu militärischen Bedenklichkeiten hinreißen lässt, ist unwahrscheinlich. “Frieden schaffen und schwitzen wie Affen”, “Schwerter zu Schlepplasten”: Die Friedensbewegung feiert späte Triumphe. Doch schon droht technisch ausgereiftere Abhilfe: In Masar-i-Scharif deckte sich eine Spezialeinheit unlängst mit Tarnanzügen aus einem deutschen Freizeitladen ein. Und der Patrouillenführer setzte auch beim Fernglaskauf auf individuelle Aufrüstung und spendierte eins für 89,80…. von Tchibo.
(No. 195, 20.11.2007)