Archive for July, 2007

Helmutversand

Wednesday, July 25th, 2007

Frustriert urlaublose Bürohengste finden dieser Tage ein freches Fax auf dem Schreibtisch: Helmutversand.com vertickt den ferngesteuerten “Deutschen Tiger 1 Panzer” – und zwar als, Achtung mein Führer, “sehr getreue Wiedergabe von dem Original”. Das angriffslustige Stück Chinamüll kostet 89 Euro und damit deutlich weniger als die 250.000 Reichsmark des echten Kampfpanzers, von dem nach einer alten Legende weit mehr von russischen Panzerfäusten zerlegt wurden, als die Nazis überhaupt gebaut haben.

Das zweimotorige Modell ist einen halben Meter lang und kommt mit “Schiessfunktion und Munition”. Na also! Jetzt noch schnell beim Helmutversand einen “luxuriösen Massagebürostuhl” und eine Nachtsichtkamera abgreifen – und dann der Versandabteilung oder diesen Fuzzis aus dem Marketing den Krieg erklären. “50 Minuten fahren mit vollem Akku”: Das müsste für einen mittleren Amoklauf, bequem vom Schreibtisch aus, reichen. Den Flur runter, bamm bamm in die Kantine, Sperrfeuer auf diesen Oberarsch von Küchenchef, der heute zum dritten Mal in Folge Kartoffelpürree auf den Speiseplan des Bataillons gesetzt hat.

(No. 173, 25.07.2007)

Problemgemüse

Wednesday, July 25th, 2007

Fast ein Drittel aller in Baden-Württemberg jüngst getesteten Paprika aus Spanien und der Türkei enthalten problematisch überhöhte Pestizidrückstände. Paprika sei, teilt das Stuttgarter Agrarministerium dazu lapidar mit, ein Problemgemüse.

Immerhin scheint das giftige Zeug die Obstfliegen aus der Küche zu vertreiben. Letztlich ist alles nur ein Etikettenproblem – Vorschlag: Wir nennen die Pestizid-Boliden nicht mehr Paprika, sondern Paralika oder Paralytika… schon wird aus dem Problemgemüse ein preiswerter Fliegentod, der in keinem modernen Haushalt fehlen sollte.

(No. 172, 25.07.2007)

Aldisauger

Sunday, July 22nd, 2007

Beim Kelleraufräumen habe ich den Aldi-Feuchtraumstaubsauger wiedergefunden, den ich seit dem damaligen Zwischenfall nicht mehr angerührt habe. Das Gerät hatte eigentlich einen guten Eindruck gemacht, kompakter Edelstahlkubus, leicht zu reinigen – alles prima. Ich hatte angefangen, den Keller zu saugen, eine der Arbeiten, die ich meist zu lange aufschiebe, und der Sauger brummte friedlich vor sich hin. Etwas laut vielleicht. Etwas sehr laut. Das Ding röhrte ohrenbetäubend und wurde immer lauter, ich schrie laut “Scheiße” und rannte zur Steckdose, zog mit einem Ruck den Stecker heraus. Aber der Aldisauger wurde nicht leiser, im Gegenteil, und ich spürte das Vibrieren des Kellerbodens und rechnete jeden Augenblick damit, dass das Haus den Sauger und mich unter sich begrub. Ich hastete panisch die Treppe hoch, riss die Außentür auf und hechtete mit einem finalen Rettungssprung ins Freie.

Und da lag ich dann keuchend im Gras auf dem Rücken und sah in den makellos blauen Himmel, nur liniert von drei fetten Kondensstreifen, die die Tiefflieger dort hinterlassen hatten, die eben unser Haus in geringer Höhe überflogen hatten und deren Düsendonnern jetzt am Horizont verebbte.

(No. 171, 22.07.2007)

Deutscher Zoo

Wednesday, July 18th, 2007

Mitarbeiter des Erfurter Zoos haben jahrelang Zootiere mit Bolzenschüssen getötet. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft, welche Tiere betroffen waren. Waren heimische Blindschleiche und deutscher Igel unter den Opfern, oder ging es mal wieder nur der molukkischen Wüstenspringmaus und dem tibetanischen Mönchs-Esel an den Kragen?
Vielleicht hat der Vorfall rassistische Dimensionen: Kamele raus, deutscher Zoo den deutschen Tieren…?

(No. 170, 18.07.2007)

www.zitrusblau.de/senf/kamele.jpg

(Das Plakat “Kamele raus” war 1992 eine Gemeinschaftsaktion von ZITRUSBLAU und Thomas Platt. Heute befindet sich ein Exemplar im Deutschen Historischen Museum.)

Löscharbeiten

Friday, July 13th, 2007

Probleme für Vattenfall in Schweden: Am Atomkraftwerk Ringhals haben acht besoffene Bauarbeiter die Putzfrauen belästigt und wurden gefeuert.

In Deutschland verhinderte der Stromkonzern bisher, dass die Untersuchungskommission, die die Pannenserie an den AKWs Krümmel und Brunsbüttel aufklären soll, mit den diensthabenden Mitarbeitern sprechen konnte.

“Ob die auch einen gezischt haben?” fragt sich Gohlke, “wenn ich mir richtig een uff die Lampe gebe, will ich auch tagelang kein menschliches Wesen sehen!”

(No. 169, 13.07.2007)