Bloß kein Knockout in der zweiten Runde – denkt an die Werbekunden: Showtime bei RTL!
Die Akteure sind hinlänglich bekannt, Maske, Hill, Sauerländer, Wolke, im Publikum zu Recht vergessene Showgrößen wie Roberto Blanko. Wo war eigentlich Don King - beim Friseur? Rocky Rocchigiani ist einschlägig verhindert, dafür darf der stereotype Schreihals Michael Buffer sein hundert mal zu oft gehörtes, von ihm urheberrechtlich geschütztes (und deshalb hier nicht voll ausschreibbares) “Are You ready to ******” in die Münchner Olympiahalle tremolieren.
Schreckliche Musik allerorten, peinlich zersägte Nationalhymnen; für Maske filetiert Sarah Connor Mitch Leighs feines Musical “Man of la Mancha” – ihr gerät der “Impossible Dream” zu einem buttercremigen Rührstück, das dem Comeback-Kandidaten schon vor dem Endsieg die Tränen in die Augen treibt.
Vom Kampf selbst ist nicht viel zu sehen, weil die Kamera vor allem das teuer bezahlte McFett-Logo auf dem Ringboden im Auge behält und deshalb die Boxer meist von oben zeigt. Slow Motion? Pustekuchen, in den Pausen wird für französische Autos geworben. Werner Schneider, weit außerhalb der 20-Fuß-Kante des Rings, funkt Runde für Runde kleine Bewertungs-Icons als letzte SOS-Zeichen eines Moderatoren-Urgesteins; sein diensthabender Kollege Tobias Drews schwächelt sich lauwarm durch den Abend.
Am Ende, als Zuschauer hat man längst das Handtuch geworfen, rollen dann die Millionen – 1,2 Kampfkasse für Hill, 3 für Maske, 16 Millionen Zuschauer für RTL, das noch tags darauf begeistert den boxenden “Gentleman” (uff!) in Overath bei Köln verortet, dem jetzigen Wohnort. Pech für das brandenburgische Treuenbrietzen, Maskes Geburtsstädtchen, das sich nun weiterhin damit trösten muss, dass “Treuenbrietzen” in der zweiten Strophe des Liedes “Sabinchen war ein Frauenzimmer” vorkommt, weil es sich so einigermaßen auf “besitzen” reimt …
(No. 150, 02.04.2007)