Archive for September, 2005

Habemus Papam

Friday, September 30th, 2005

Mittwoch fliegt Gohlke nach Italien, und ich treffe ihn abends im “Wirtschaftswunder” mit vollem Aschenbecher, eine überdimensionale Maria Mancini im Mund. “Ah, mal wieder den Zauberberg gelesen, Castorps Zigarre?” frage ich und deute ich auf das braune Ding. Gohlke hustet eine Weile und wedelt nach einem weiteren Bier. “Ich will mir das wieder angewöhnen!” krächzt er matt. “Das Rauchen? Das nenne ich antizyklisch. Alle anderen hören auf damit… Du fängst an!”. Alex bringt den halben Liter, und Gohlke beruhigt seinen gereizten Rachen mit einem langen Schluck.
“Ich hab’ die Raucherei auch hinter mir. Aber in Italien haben sie das Rauchen komplett verboten. in Cafés, Restaurants, Bars: Niente. Dagegen muss man einfach anstinken. Aus Prinzip.” “Mensch, da muss ich ja froh sein, dass Du nicht in die Staaten fliegst. Da ist die Schwulenehe verboten.” Gohlke fixiert mich mit einem langen, eisigen Blick und zupft dann aufseufzend eine neue Mancini aus der Innentasche. Er grunzt: “Das Rauchverbot wird eh nur von Touristen und Angsthasen wie Dir eingehalten. Der richtige italienische Mann raucht, und zwar wo er will. Meinst Du, die Italiener werden die nächste Papstwahl absagen, weil der Rauch über der Sixtinischen Kapelle Tausende Unschuldige zu Mitrauchern macht?”
(No. 10, 30.09.2005)

Wasser aus der Leitung

Tuesday, September 27th, 2005

Gohlke ist entzückt. “Hast Du’s gelesen?”, fragt er und wedelt mit der Tageszeitung, “der nächste Volkswagen wird in Wolfsburg gebaut. Das ist mal ‘ne gute Nachricht! Wenn das so weitergeht, werden die Brötchen demnächst vom Bäcker gemacht… und das Wasser kommt aus der Leitung!”
(No. 9, 27.09.2005)

Pandora empfiehlt

Monday, September 26th, 2005

“Leser, die GLASS SOUP von Jonathan Carroll gekauft haben, haben auch Bücher von Frederick Pohl gekauft”, sagt Amazon bei der Online-Buchbestellung. “Na und,”sagt Gohlke, “Leute, die Spiegeleier gegessen haben, haben auch schon mal Dünnpfiff gehabt. Man muss ja nicht alles nachmachen.”"Sei nicht so widerspenstig,” schlage ich vor, “lass Dir doch mal was empfehlen. Musst doch nicht jeden Scheiß selber lesen, wenn hundert andere die Sachen schon ausprobiert haben.” “Ich bin nicht hundert andere, ich bin ich”, beharrt Gohlke. Ich seufze und zeige ihm www.pandora.com, mein momentanes Lieblingsspielzeug im Internet. Man gibt ein paar Bandnamen ein, und Pandora spielt chronische Lieblingsmusik, die zum eigenen Geschmack passt. Viele unbekannte Sachen, viele Entdeckungen. “Praktizierte Marktforschung”, sagt Gohlke, “die legen Nutzerprofile an, die forschen Dich aus. Na bitte: Jetzt hast Du Julian Cope und John Cale eingegeben und Greg Allman gekriegt. Damit wollen sie testen, wie Du auf Schmerzimpulse reagierst. Ob Du das Abo kündigst oder dabeibleibst. Im Ernstfall packen sie Dich direkt an die Front, weil Du gegen diese musikalische Zumutung nicht rebelliert hast und deshalb auch als Soldat bei der Fahne bleibst, wenn’s eng wird.” “Das ist ja wohl ein bisschen sehr weit rausgelehnt jetzt”, wende ich ein. Gohlke deutet auf den Monitor. “Hier, Peter Frampton. Noch schlimmer als Allman! Sie haben vermutlich Zweifel daran, ob Du noch lebst. Mach nix, mach nix” – er hindert mich daran, den Titelvorschlag wegzuklicken – “jede Wette: Wenn Du Dir DAS jetzt gefallen lässt, steht in drei Minuten der Leichenwagen vor der Tür!”
(No.8, 26.09.2005)

Marathonbücher

Saturday, September 24th, 2005

Beim Frühstück sprachen die Mädels davon, dass jetzt bald der vierte Harry-Potter-Film in die Kinos kommt und das sechste Buch wieder ziemlich gut war. Ich konnte da nicht mitreden; ich habe noch nie Harry Potter gelesen oder gesehen. Den Herrn der Ringe übrigens auch nicht, und die Starwars sind völlig verlustfrei an mir vorbeigezogen. Neulich habe ich die tausendste nicht gesehene Lindenstraßen-Folge gefeiert.

“Du bist halt ‘ne Banause”, urteilt Gohlke, “diese post-post-moderne Verweigerungshaltung ist echt nicht mehr angesagt. Wenn Du den Ignoranten geben willst, dann musst Du Dir lohnendere Ziele suchen. “Zettels Traum” nicht gelesen zu haben oder “Ulysses” oder “Die Suche nach der verlorenen Zeit” – das punktet.” “Aber ich habe “Ulysses” gelesen,” beharre ich, “sogar mit Vergnügen.”
“Klar”, Gohlke wischt den Einwand mit einer Handbewegung beiseite, “die Leute laufen auch einen Marathon mit Vergnügen. Auf dem Zahnfleisch! Du hast den Schmöker in Dich reingezwungen voller Vorfreude, Dich hinterher dicketun zu können damit. Nee nee mein Lieber”, Gohlkes Zeigefinger trommelt entschlossen auf der Tischplatte, “bis 300 Seiten ist es Literatur, danach wird man einfach vollgelabert. Da fehlt der Genuss, das ist blanke Masse. Niemand würde damit angeben, dass er eben drei Kilo Hummer gegessen hat oder einen Eimer Kaviar oder dass er gestern abend drei Flaschen 2000er Lynch Bages getrunken hat.”
Gohlke hält kurz inne und legt den Kopf schräg, als käme ein leises Glöckchen aus dem Off.
“Das mit dem Lynch Bages nehmen wir aus dem Protokoll. Überhaupt sollte ich noch ‘ne Flasche von dem Zeug in der Speisekammer haben.”
(Nr. 07, 24.09.2005)

Ooops… and gone

Wednesday, September 21st, 2005

Gohlke ist gar nicht zufrieden mit dem Latte Macchiato, den ich ihm hinstelle. Seitdem unsere Espressomaschine explodiert ist und sich die Garantieabwicklung dank Internetkauf etwas langwierig gestaltet, holen wir die schaumigen Wachmacher nebenan in der Croissanterie bei Nicole. COFFEE TO GO im Pappbecher, aber gar nicht schlecht. Gohlke trinkt sowas nicht, schon aus Prinzip. “COFFEE TO GO klingt nach Kundenfreundlichkeit und Service, aber eigentlich ist es das Gegenteil”, behauptet er, “der Laden spart Stühle, Klopapier, Geschirr und letztlich auch Personal.” Ich runzle die Stirn, aber Gohlke holt schon zu einer mittleren Hasspredigt aus. “Und kuck mal da drüben: CUT & GO. Ein Friseur! Rein-und-raus-Hektik an allen Ecken. Fast Food, Mitnahmepreise, Huschhuschsex. Am Kranzlereck gibt es sogar BOTOX TO GO – Du kommst mit so einem Gesicht rein”, Gohlke zeigt mitleidlos auf mein etwas runzeliges Augenumfeld, “und gehst ein paar Minuten später so wieder raus”, er deutet auf sein eigenes eher Bordeaux- als Botox-gerundetes Gesicht.

“Eigentlich gibt es kaum noch etwas, das man in Ruhe im Stehen oder Sitzen machen kann. Und wenn, dann wenigstens im Multi-Media-Modus. Die Leute haben doch längst ihre Fernseher und Internetanschlüsse auf dem Klo, um bloß keinen billigen Lacher in irgendeiner Seifenoper zu verpassen. WATCH AND GO – die ganze Bude wird mit Monitoren vermint, man setzt sich nicht mehr hin, sondern stolpert von Zimmer zu Zimmer an den Dingern vorbei. Zwei, drei Programme gleichzeitig, alles nur bunte Bruchstücke, alles ähnlich.” Gohlke schüttelt unwillig den Kopf und stiert meinen halb leer getrunkenen Kaffee missbilligend an.

Als neulich sein (wie sich herausstellte, Doch-nicht-)Erbonkel starb, wollte die Verwandschaft den toten Patriarchen in eine Spanplattenkiste aus dem Sarg-Discount legen, BURY AND GO sozusagen, aber Gohlke hat sich mächtig ins Zeug gelegt und einen sündteuren Eichensarg herbeilamentiert. “Nicht mal auf den letzten Metern gibts noch ein Innehalten,” jetzt finde ich Gohlkes Stimme doch etwas pastoral, “LIVE AND GO ist das Gebot der Stunde, alles ratzfatz runterreißen, alles mitnehmen, was unterwegs weggeputzt werden kann… und weg mit der sterblichen Hülle!”

Soviel Eifer macht durstig, Gohlke schüttet kopfschüttelnd und verbittert meinen Kaffeerest in seinen noch vollen Becher und stürzt beides mit einem bösen Grunzen hinunter.
(No.6, 21.09.2005)

Strehla Ceramics Design Explosion

Tuesday, September 20th, 2005

Das fängt so an: Man hat eine kleine nierenförmige Keramikschale, ziemlich lange schon. Aus den Fünfzigern, aber mit einem zeitlosen expressionistischen, dabei wohlgeordneten Dekor. Sattes Grün, schlieriges Ochsenblutrot, fettes Schwarz, Schatten von Blau. Irgendwie ein Lieblingsstück. Steht immer alleine auf dem Schreibtisch, für die besondere Frucht (demnächst… Feigen?) oder den Autoschlüssel oder sowas. Vor allem den Autoschlüssel. Eine Lieblingsschale, ohne je darüber nachzudenken, was das ist und woher das kommt.

Dann findet man zehn Jahre später auf einem Flohmarkt in Rathenow ein kleines Krüglein, investiert betont desinteressiert einen zitterigen Euro, und eigentlich braucht man ja gar kein Krüglein, aber das verdammte Ding hat dasselbe absolut unverwechselbare Design wie die Schale, die man bis dato für unverwechselbar hielt. Und jetzt will man’s wissen und dreht das Ding um, und unten steht “STREHLA KERAMIK Made in GDR Handgemalt” drauf und “Import”. Was nur Unsinn sein kann, oder hat Strehla das Zeug in die DDR importiert?

Ebay gibt Aufschluß. Strehla hat jahrzehntelang häßliches Zeug gemacht – zugegeben, man hat ja vieles schon häßlich gefunden, was dann später trés chique wurde: Aber das hier wird häßlich bleiben für alle Zeiten. Hunderte von Pötten und Kübeln und schrägem, biedermodernem Tongeknete. Was auffällt, sind die Ausnahmen: In dem witzigen einzigartigen Design gibts doch tatsächlich noch einen Blumenübertopf. Und gleich noch einen anderen, baugleichen, in einem sehr verwandten Design. Aber ohne Blau. Und mit mehr schwarz. Dann geht alles sehr schnell, man ist Meistbietender hier und da, entdeckt die zwei, nein drei Designreihen auch in etwas höher gehängten Auktionshäusern, bietet mit, verfeinert die Wahrnehmung und das Sammelgebiet (Schale, Krug, Übertopf, – und eine Vase! Und eine komische Henkelvase mit spitzer Tülle!) – und man recherchiert und mailt mit Keramiksammlern, meist Holländer übrigens und wahrhaft nicht geschmacksicher, und man bestellt hier was und da.

Irgendwann hält der Postwagen vor der Tür; lädt achtzehn Pakete ab allein heute. Und dann steht man plötzlich bis zu den Knien in Strehla Keramik, ausufernde wilde Sachen von einem VEB, der nicht mal Geschichte ist, sondern schlicht vergessen, untergegangen, in Scherben – und man weiß nicht so recht wohin mit dem Zeug. Schön ist das alles ja irgendwie. Lohnt die nähere Beschäftigung. Sehr ehrenhaftes Konservieren versunkenden deutschen Designschaffens, das. Auspacken? Nachher. Vielleicht erstmal irgendwo was Schönes essen. Wo ist eigentlich der Autoschlüssel? (No.5, 20.09.2005)

Namedropping

Monday, September 19th, 2005

Neulich war ich in Potsdam in der, wie hieß das Ding noch gleich – Maiglöckchenpassage. Oder war es der Maiblütenhof? Ich habs vergessen. Seit ein paar Jahren muss offenbar jede Passage, jedes Haus, jeder Hof einen eigenen Namen haben, und diese Namen werden immer ähnlicher. Kein Mensch kann sich das merken. Früher habe ich mal am Kudamm gewohnt, heute wohnt man zwischen Kudamm-Karree und Kudamm City oder Kudamm Quartier. Oder wars das Kwartjeh Küdamm?Manchmal können einem noch die alten Taxifahrer weiter helfen; “Fahrn’se mich mal zum Stilwerk” machen die so gerade eben noch mit; “Einmal Elisabeth-Lüders-Haus” geht auch noch, man ist ja lernfähig, aber Sophienhöfe, Luisenkarree, Gotthilfslofts oder Brunzettietagen ist schon schwierig. Offenbar taugt noch der kleinste Bürstenbinderbetrieb der vorletzten Jahrhundertwende findigen Werbefuzzis als Namenspate für einen ganzen Fertigteilblock.

Und es ist ja nicht so, dass der neue deutsche Benennungswahn im Inneren der Geschäfte halt machte. Das Angebot wird neusprachlich runterdekliniert bis zum Eislöffel. “Wollen Sie den Cream Dreamer mit Shockin’Mint Chips, oder soll’s ein Candy Storm sein?” Mit BigMacs und Doppelwhoppern habe ich mich der Kinder zuliebe angefreundet; dass ein simples Sofakissen Lounge Fudge heißen soll, kriege ich nicht mehr in den Kopf. Und natürlich werden all die Fantasienamen in immer komplexeren Bonus-, Rabatt und Prämienaktionen zusammengefasst. “Greifen Sie sich jetzt Ihren Prime Time Bonus für 4 Minuten zum Pendulum Tarif. Schon ab 40 Einheiten ohne Flatrate, Webmiles exklusive.” Da muss man doch mitmachen?

Nein, muss man nicht. Allerdings sieht man dann alt aus. Alt sein heißt, nur noch einen Bruchteil der verfügbaren Informationen im Gehirn parat zu haben. Alt sein heißt, kopfschüttelnd vor der “Erzherzog-Maximilian-Residenz mit Factory-Outlet und Heurigen-Höfen” zu stehen und sich zu fragen “stand hier nicht früher mal… ein Haus?” (No.4, 19.09.2005)

Kompanie schläft

Thursday, September 15th, 2005

Morgens steht die ganze Budapester Straße voll mit SIXT-Mietlastern, Münchner Kennzeichen, in denen tarnfarbige Bundeswehrsoldaten sitzen und schlafen. Es war halt spät letzte Nacht, die Jungs haben bis drei Uhr früh mit einem irrwitzigen Geschepper eine Kabelbrücke abgebaut, die den Schweizer Hof mit dem gegenüberliegenden Hotel Interconti verband und für die Truppen der hier tagenden Nato-Verteidigungsminister eine krisensichere Kommunikationsstruktur gewährleistete.

Warum die das mitten in der Nacht gemacht haben und nicht jetzt, frühmorgens?
Mir egal.
Ich sehe die viel diskutierte Frage, ob sich die Bundeswehr mehr in innerdeutschen Sachlagen engagieren soll, in neuem Licht: immerhin haben die Burschen den gleichen Biorythmus wie ich. Das hat was Sympathisches. Einem der Lastwagen stecke ich ‘nen Fünfer hinter den Scheibenwischer. Die Männer sollen sich zum Frühstück mal eine Wurstscheibe extra gönnen. (No.3, 15.09.2005)

Geheime Reklamesache

Saturday, September 10th, 2005

Neulich haben wir beim EINHORN am Wittenbergplatz träge in der Sonne gedöst, was aus Zeitgründen viel zu selten vorkommt. Und wie ich da so in das schräge Herbstlicht blinzle, fällt mir auf, dass der U-Bahnhof Wittenbergplatz wieder da ist. Genauer gesagt: Man kann ihn wieder sehen, ganz plötzlich. ‘ne ganze Weile lang war das gute Stück Schinkel nämlich von Baugerüsten und Planen umzingelt, und jetzt, wo wir drüber sprechen, fällt mir beim besten Willen nicht ein, wie lange. 2002, als ich zum ersten und einzigen Mal den Berlin-Marathon mitgelaufen bin, war am Wittenbergplatz das Ziel, und verdammt, war da die Planenhülle nicht schon drum? (Und stand da nicht “Jaaaa, Mann, Du bist der völlige King!” drauf, nur für mich alleine?)
Werbung gab es in all den Jahren der Verhüllung jede Menge auf den großen Flächen. Ist ja auch eine tolle Lage; den Tauentzien runter, vis-a-vis vom KaDeWe: Klar, dass Nike und Konsorten sich um die Banner gerissen haben.

Jetzt, wo ich mir den plötzlich wieder materialisierten U-Bahnhof so ansehe, frage ich mich, was an dem Ding überhaupt gemacht wurde. Die schmuddeligen grauen Wände sind schmuddelig wie zuvor; Sprüher haben ihre “Tags” draufgesprüht und Anti-Sprüher-Anstreicher haben ihr Unvermögen gezeigt, beim Überpinseln den gleichen Farbton zu treffen. Das Fallrohr hat feuchte Flecken an der Wand hinterlassen; das Dach ist taubenkotbespritzt. Eigentlich ist das ganze schinkelsche Prachtstück reif für den Abriss. Haben die den Bahnhof drei Jahre lang hinter einem Baugerüst versteckt und gar nichts gemacht? Oder ist das diese sündteure behutsame Restaurierung, von der man immer hört? Wo einzigartige Spezialisten aus aller Welt eingeflogen werden, und hinterher sieht der Rembrandt so alt und abgehangen aus wie vorher, nur die Messerstiche der durchgeknallten Kunsthasserin sind weg?

Gohlke, der neben mir im EINHORN in der Sonne sitzt, lacht nachsichtig über meine Grübeleien. “Die haben irgendwo innen drin eine Steckdose ausgetauscht, mehr war das nicht” behauptet er; “die Baumaßnahme war doch nur der Anlaß für die meterhohen Reklameplanen drumrum. Hundertzwanzig mal acht… locker tausend Quadratmeter Werbefläche konnten die vermarkten. Drei Jahre lang wurde da Kohle gescheffelt!”

Ich halte Gohlke für einen Verschwörungstheoretiker. Werde auf dem Nachhauseweg mal nachsehen, ob nicht der ganze Bahnhof in verwitterungsresistentem, sprayerfestem PVC nachgegossen wurde für all das Geld. (No.2, 10.09.2005)

Lakenverballern

Tuesday, September 6th, 2005

Gohlke sagt, wenn Merkel Kanzlerin wird, würde er wieder gegen Atomkraft demonstrieren. Die CDU will ja die Laufzeit der existierenden Kraftwerke verlängern, und prompt denkt die Energiewirtschaft über Neubauten nach. Dabei, sagt Gohlke, hat sich doch bitte schön in 25 oder 30 Jahren nix geändert an der Problematik. Die wissen immer noch nicht, wohin mit dem Atommüll, die sind immer noch nicht geschützt gegen absichtliche oder versehentliche Flugzeugabstürze, und die müssen immer noch für ihre hochbrisante Technik einen mittleren Polizeistaat installieren, damit nicht irgendwelche Irren da mit ‘nem Handgranatenhandtäschchen reinspazieren.

Aber weißte was, sagt Gohlke, ich bin bald Fuffzich, ich kann doch jetzt nicht die alten Sprüche rauskramen, es ist doch alles längst gesagt an Gegenargumenten. Ich will mich doch nicht lächerlich machen und jahrzehntelang immer den gleichen Scheiß repetieren. Wenn Demo ist, gehe ich hin, und wenn keine Demo ist, mache ich eine - aber das Spruchband bleibt weiß. Die wissen doch eh, was ich sagen will. Die kennen mich doch – alles aktenkundig! Außerdem, Gohlke senkt die Stimme, außerdem kann ja sowieso alles, was ich sage, gegen mich verwendet werden. Videoüberwachung! Da ist es besser, ich mache ne Blanko-Demo. Da kann ich auch hinterher das Bettlaken weiterverwenden, das ging ja auch ins Geld früher, dieses Lakenverballern. (No.1, 06.09.2005)