Habemus Papam
Friday, September 30th, 2005Mittwoch fliegt Gohlke nach Italien, und ich treffe ihn abends im “Wirtschaftswunder” mit vollem Aschenbecher, eine überdimensionale Maria Mancini im Mund. “Ah, mal wieder den Zauberberg gelesen, Castorps Zigarre?” frage ich und deute ich auf das braune Ding. Gohlke hustet eine Weile und wedelt nach einem weiteren Bier. “Ich will mir das wieder angewöhnen!” krächzt er matt. “Das Rauchen? Das nenne ich antizyklisch. Alle anderen hören auf damit… Du fängst an!”. Alex bringt den halben Liter, und Gohlke beruhigt seinen gereizten Rachen mit einem langen Schluck.
“Ich hab’ die Raucherei auch hinter mir. Aber in Italien haben sie das Rauchen komplett verboten. in Cafés, Restaurants, Bars: Niente. Dagegen muss man einfach anstinken. Aus Prinzip.” “Mensch, da muss ich ja froh sein, dass Du nicht in die Staaten fliegst. Da ist die Schwulenehe verboten.” Gohlke fixiert mich mit einem langen, eisigen Blick und zupft dann aufseufzend eine neue Mancini aus der Innentasche. Er grunzt: “Das Rauchverbot wird eh nur von Touristen und Angsthasen wie Dir eingehalten. Der richtige italienische Mann raucht, und zwar wo er will. Meinst Du, die Italiener werden die nächste Papstwahl absagen, weil der Rauch über der Sixtinischen Kapelle Tausende Unschuldige zu Mitrauchern macht?”
(No. 10, 30.09.2005)