“Natürlich gehts nicht um Biermann, diese selbstverliebte Tränendrüse”, erklärt mir Gohlke, der heute einen seiner ungnädigen Tage zu haben scheint; “klar hatte der Mann seine goldenen Jahre damals, klar hat er die Latte immer hoch gehängt und sich in eine Reihe mit Kästner, Brecht, Tucholsky gestellt. Aber sind Kästner, Brecht, Tucholsky Ehrenbürger von Berlin geworden? Nee. Und hätten sie’s nicht noch vor olle Biermann verdient? Siehste!”
Ich murmele ein paar schwache Einwände, Kästner war nur 18 Jahre in Berlin, Tucholsky ist in Schweden gestorben, Brecht in Augsburg geboren…. aber Freund Gohlke ist in seinem Element, da stoppt ihn nix.
“Biermann ist ein Symbol, das wurde zur Gretchenfrage, da gabs für die Sozis keinen Notausgang. Wowi hat echt abgekotzt! Überhaupt sind Symbole wieder schwer gefragt. Demnächst kannst Du Dich mit Deinen alten Apo-Onkels an der Springer-/Ecke Dutschkestraße treffen. Heut ist die CDU baden gegangen, die wollten die Straßenbenennung nach Rudi Dutschke noch bürgerbegehrenstechnisch, sozusagen außerparlamentarisch, kippen. Det war nischt!”
Gohlke klatscht sich auf die Schenkel. “Biermann, Dutschke… alles Symbole!” Er beugt sich weit vor, hebt die Hand an den Mund und raunt mir verschwörerisch ins Ohr: “Aber Vorsicht, Kumpel, Vorsicht…. die Gegenseite schläft nicht! Stoiber fällt auf die Nase, und was hat die Christiansen abends in der Talkshow an? Hö? Na?”
Herr im Himmel, ich habs nicht gesehen, aber mein oberster Symbolwärter liefert die Auflösung postwendend:
“Ein oberbayrisches Trachtenjankerl!”
(No. 135, 21.01.2007)